Impfschutz: Die wichtigsten Termine auf einen Blick

Einmal impfen im Kindesalter – für immer immun? Das gilt nur für manche Impfungen. Bei einigen braucht es im Erwachsenenalter regelmässige Auffrischimpfungen. Wann, wie und warum – hier die Antworten.

Text: Wilma Fasola, Foto: iStock

Impfungen zum Schutz vor Infektionskrankheiten sind nicht erst seit Corona ein heiss diskutiertes Thema. Laut Schweizer Bundesamt für Gesundheit (BAG) verhindern Impfungen aber zwischen zwei und drei Millionen Todesfälle pro Jahr weltweit. Nicht immer können sie Ansteckungen komplett verhindern, aber: Bei Geimpften ist der Krankheitsverlauf meist mild oder verläuft ohne Folgeschäden – wie zum Beispiel Behinderungen. 

Die Krux: Eltern wie Kinderärzte haben die Impftermine zur Grundimmunisierung für die Sprösslinge meist genau im Blick. Gleiches gilt für die Auffrischungsimpfung bei älteren Kindern und Jugendlichen. Im Erwachsenenalter dagegen nimmt die Aufmerksamkeit rund um Impfungen rapide ab. «Oft liegen bei ihnen viele Jahre zwischen den Auffrischimpfungen, im Fall der Tetanus-Impfung je nach Alter bis zu 20 Jahre. Da geraten die Impfungen schlichtweg oft in Vergessenheit», so Thomas Dössegger, Geschäftsführer der Löwenapotheke in Dietikon.

Grundsätzlich wird beim Impfen zwischen Grundimmunisierung und Auffrischimpfung unterschieden. 

Grundimmunisierung für Kinder
Bei der Grundimmunisierung wird das menschliche Immunsystem grundsätzlich gegen bestimmte Erreger wie zum Beispiel das Bakterium Corynebacterium diphtheriae (Auslöser für Diphtherie) oder auch das Bakterium Clostridium tetani (Auslöser für Tetanus) immunisiert. Die Impfungen finden über einen gewissen Zeitraum und je nach Erreger zwei- bis dreimal im Kleinkindalter statt. 

  • Die Sechsfach-Impfung beispielsweise erhalten Kleinkinder mit 2, 4 und 11 Monaten im Rahmen der Kontrolluntersuchungen. Mit nur einem Piecks pro Sitzung wird das Kind so vor Diphtherie, Kinderlähmung, Keuchhusten, Tetanus, Hepatitis B und Haemophilus influenzae-Infektionen geschützt. 
  • Mit 11 und 15 Monaten erfolgt die zweifach verabreichte Grundimmunisierung gegen Masern, Mumps, Röteln und auf Wunsch auch gegen Windpocken. Letztere Impfung ist im Kleinkindalter kein Muss. 
  • Die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) empfiehlt die Windpocken-Impfung jedoch in aller Regel für Kinder zwischen dem 11. und 15. Lebensjahr, die noch keine Windpocken hatten.
  • Ebenfalls empfiehlt sich eine Grundimmunisierung gegen HPV-Erreger im Alter zwischen 9 und 16 Jahren. Seit dem Jahr 2018 wird diese auch für Jungen empfohlen. 

Auffrischimpfungen für Kinder

Ab dem 5. oder 6. Lebensjahr stehen die Auffrischimpfungen gegen Erreger an, für die die Immunität nicht ein Leben lang anhält. Dazu der Experte: «Je nach Erregertyp braucht das Immunsystem in regelmässigen Abständen oder einmalig noch einmal einen Anstups, damit es sich wieder daran erinnert, wie es sich gegen gewisse Erreger zur Wehr setzt.» Dazu gehören vor allem Tetanus und Diphterie. 

Impfungen auffrischen im Erwachsenenalter

Weil mit zunehmendem Alter das Immunsystemträger wird, setzen Auffrischimpfung wichtige Impulse fürs Immunsystem.  

  • Tetanus und Diphterie: Empfohlen wird die Auffrischung alle 20 Jahre, ab dem 65. Lebensjahr dann im Idealfall alle 10 Jahre. 
  • Keuchhusten: Eine weitere einmalige Impfung im Erwachsenenalter. 
  • Polio (Kinderlähmung): Ob eine Polio-Auffrischung sinnvoll ist, hängt von der Lebenssituation ab. Für Berufsgruppen mit erhöhtem Infektionsrisiko oder für Reisende beispielsweise nach Afghanistan, Pakistan, Malawi oder Mosambik kann eine Auffrischung sinnvoll sein. 
  • FSME (Zecken): Über den Sinn der Zeckenimpfung entscheidet in aller Regel der Wohn-, Lebens- beziehungsweise Bewegungsort. Die erste Grundimmunisierung kann schon im Kindesalter stattfinden und dauert ein Jahr. Die zweite Impfung folgt 3 Monate später, die dritte im 12. Monat nach der ersten Spritze. Danach empfiehlt sich eine Auffrischung rund alle 10 Jahre, wobei auch hier nach Absprache mit dem Arzt ab dem 65. Lebensjahr kürzere Zeiträume gelten sollten. 
  • Grippe (Influenza): Was die jährliche Auffrischung der Grippeimpfung betrifft, so gibt es auch hier verschiedene Meinungen. «Die Impfung ist vor allem für ältere und Risikopersonen sowie für Schwangere oder medizinisches Personal sinnvoll.» Der beste Zeitpunkt hierfür ist im Oktober oder November. 

Impfungen während der Schwangerschaft 

Möchte eine Frau schwanger werden, empfiehlt es sich, vorher den aktuellen Impfstatus zu checken und eventuell entsprechend zu handeln. Das gilt insbesondere für die Mumps-, Rötel- und Masern-Impfung. Diese darf jedoch nur vor oder direkt nach der Schwangerschaft als Kombinationsimpfung erfolgen - ein Piecks reicht. Anders bei der Grippeimpfung: diese ist auch während der Schwangerschaft möglich und wird von vielen Frauenärztinnen empfohlen. 

Wann die nächste Impfung stattfinden sollte, ist im Impfpass oder in den Aufzeichnungen beim Hausarzt ersichtlich. 

Tipps zum Schluss

  • Impftermin verpasst oder verfrüht? Hier empfehlen Ärztinnen, die verpasste Impfung möglichst schnell nachzuholen, damit der Impfschutz wieder vollständig ist. Bei einem früheren Zeitpunkt kommt es auf den verabreichten Impfstoff an, da einige Impfstoffe nicht vorzeitig erneut gespitzt werden sollten.
  • Impfpass verloren? Oft weiss der Hausarzt Bescheid und kann einen neuen Impfpass ausstellen. Fanden die Impfungen bei anderen Ärzten statt, kann man hier nachfragen. Fehlt jede Auskunft beziehungsweise ist der Impfpass aus der Kindheit verschwunden, lässt sich mithilfe eines Blutbildes feststellen, gegen welche Erreger man (noch) immun ist. Das ist zwar aufwendig, aber in den Augen des Experten die derzeit wissenschaftlich korrekte Lösung. 
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