Dossier: Ernährung

Eisenmangel erkennen und behandeln

Eisenmangel äussert sich meist mit unspezifischen Symptomen wie Haarausfall, brüchigen Fingernägeln, Müdigkeit, einem allgemeinens Schwächegefühl oder trockenen Mundwinkeln. In ausgeprägten Fällen kann er sogar zu Atemnot, Herzklopfen oder Schwindel führen. Erfahren Sie, wie Sie Eisenmangel erkennen und was Sie dagegen tun können.

Text: Isabelle Fretz; Foto: iStock

Schätzungen zufolge leiden ungefähr 2 Milliarden Menschen an einem Eisenmangel. Er gehört damit weltweit zu den häufigsten Mangelerkrankungen. Besonders oft sind Frauen im gebärfähigen Alter von einer Eisenunterversorgung betroffen – fünfmal häufiger als Männer. Grund dafür ist der Blutverlust während der Periode.

Dabei ist Eisen ein essenzielles Spurenelement, das unter anderem für den Sauerstofftransport sowie den Energiestoffwechsel im Körper erforderlich ist. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärswesen (BLV) empfiehlt Männern im Alter von 18 bis 65 Jahren, 11 Milligramm Eisen pro Tag zu sich zu nehmen. Für Frauen im selben Alter fällt dieser Wert mit 16 Milligramm pro Tag etwas höher aus.

Ärztin klärt auf: Hilfe bei Eisenmangel

Welches sind die Ursachen für einen Eisenmangel?

«Eisenmangel lässt sich in drei Kategorien einteilen», erklärt Dr. med. Jutta Rose, Fachärztin für innere Medizin bei Sanacare. Ursachen können beispielsweise die Ernährung, die Lebenssituation sowie chronische oder andere Erkrankungen sein. 

Kategorie 1: Verminderte Eisenaufnahme

Besonders Vegetarier:innen und Veganer:innen sollten darauf achten, Lebensmittel mit hohem Eisengehalt in die Ernährung zu integrieren. «Beispielsweise Hülsenfrüchte wie Linsen und Kichererbsen, Vollkorngetreide, Nüsse und Samen wie Pistazien und Sonnenblumenkerne sowie Gemüse und Kräuter wie Schwarzwurzel und Petersilie», so Jutta Rose.

Nebst der Ernährung können aber auch entzündliche Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts Grund für eine verminderte Eisenaufnahme sein. Ein erhöhter Eisenbedarf beispielsweise bei Schwangeren oder Leistungssportler:innen  zählt ebenfalls zu Kategorie 1.

Kategorie 2: Erhöhter Eisenverlust

Verliert der Körper Blut, verliert er auch Eisen. Mögliche Ursachen für einen erhöhten Eisenverlust können die Menstruation, regelmässige Blutspenden oder Blutverlust nach einer Operation sein. Aber auch innere oder chronische Blutungen sowie Nierendialysen.

Kategorie 3: Eisenverwertungsstörung

Bei einer Eisenverwertungsstörung kann der Körper das Eisen nicht richtig einbauen. Dies kommt zum Beispiel bei chronischen Erkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie Zöliakie vor. Medikamente wie bestimmte Säureblocker für den Magen, Antibiotika oder Multivitaminpräparate mit Vitamin E, Calcium, Zink oder Magnesium können die Eisenaufnahme ebenfalls hemmen.

Welche Symptome treten bei Eisenmangel auf?

«Die Symptome sind vielschichtig und sehr unspezifisch», erklärt Dr. med. Jutta Rose. «Häufig sind Müdigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit, Haarausfall, brüchige Nägel oder trockene und eingerissene Mundwinkel die Folge.»

Weitere Symptome, die auf einen Eisenmangel hindeuten können, sind: 

  • blasse Gesichtsfarbe
  • Brustschmerzen, Herzrasen und niedriger Blutdruck
  • Kurzatmigkeit bei körperlicher Anstrengung
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • erhöhte Infektanfälligkeit
  • Reizbarkeit, innere Unruhe (Restless-Leg-Syndrom)

Kommt es zusätzlich zu einer Blutarmut, einer sogenannten Eisenmangelanämie, können folgende Symptome auftreten:

  • Haarausfall
  • brüchige Nägel
  • Pochen oder Rauschen in den Ohren
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Schwierigkeiten beim Schlucken
  • wunde Zunge

Eisenmangel während der Schwangerschaft: Darauf sollten Sie achten

Schwangere und stillende Mütter haben einen erhöhten Eisenbedarf, weil sie zusätzlich für ihr Kind Eisen bereitstellen müssen. Ein möglicher Eisenmangel sollte immer durch eine Ärztin oder einen Arzt abgeklärt werden. Wird ein Mangel diagnostiziert, werden meist Eisentabletten verschrieben. Denn ein schwerer Eisenmangel während der Schwangerschaft kann zu Komplikationen führen:

  • erhöhtes Infektionsrisiko
  • erhöhtes Risiko einer Frühgeburt
  • mögliche Wachstumsverzögerungen beim Ungeborenen

Auch nach der Geburt sollten Mütter darauf achten, genügend Eisen zu sich zu nehmen. Denn im Wochenbett kann ein starker Eisenmangel zu Stress, beeinträchtigter Kognition oder sogar Depressionen führen. Ebenso wichtig ist Eisen während des Stillens.

Eisenmangel erkennen: Ferritinwert gibt Aufschluss

Ferritin ist ein Eiweissmolekül, das im menschlichen Körper Eisen speichert, und gilt deshalb bei der Bestimmung des Eisenwerts als wichtige Messgrösse. Das Problem: Die Wissenschaft ist sich nicht einig, ab wann der Ferritinwert zu niedrig ist. Die World Health Organization (WHO) definiert Normwerte von 15 bis 150 µg/l  für erwachsene Frauen und 15 bis 200 µg/l für Männer. Studien der letzten Jahre schlagen jedoch einen Ferritinwert unter 30 µg/l als Bestätigung eines Eisenmangels vor. 

Therapie und Prävention: Was hilft am besten bei Eisenmangel?

Einen Eisenmangel vorbeugen lässt sich meist durch eine ausgewogene Ernährung. Eisen aus tierischen Nahrungsmitteln kann der Körper am besten verwerten. Rotes Fleisch und Leber sind besonders gute Eisenlieferanten. Wer sich vegetarisch oder vegan ernährt, greift am besten auf folgende Lebensmittel zurück:

  • Hülsenfrüchte: Linsen, Sojabohnen, Kichererbsen
  • Nüsse und Samen: Pistazien, Sonnenblumenkerne
  • Gemüse und Kräuter: Zwiebeln, Schwarzwurzel, Brunnenkresse, Petersilie, Brennnesseln, Löwenzahn

Vorsicht sei bei Fertiggerichten geboten, schreibt Blutspende SRK Schweiz auf ihrer Website. Denn: «Fertiggerichte enthalten oft Substanzen, die sich negativ auf die Eisenaufnahme auswirken.» Dasselbe gilt für Kaffee, Tee, Milch, Kakao, Cola und Rotwein: Auch sie hemmen die Eisenaufnahme. Vitamin C hingegen fördert die Eisenaufnahme. Blutspende SRK Schweiz empfiehlt deshalb Fruchtsäfte oder Fruchtschorlen zu den Mahlzeiten. 

«Wenn es trotz ausgewogener Ernährung zu einem Eisenmangel kommt, wenn also das Ferritin unter einen gewissen Grenzwert sinkt und entsprechende Symptome vorliegen oder man zu einer Risikogruppe gehört, dann benötigt man Eisentabletten», so Jutta Rose. Manchmal führen die Tabletten zu Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen, Krämpfen, Durchfall, Verstopfung, Übelkeit oder Erbrechen – dann können Eiseninfusionen eine gute Alternative sein.

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